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Umgang mit dem Trauma
Primäre Lebensorganisation
Modell des psychischen Apparates
Der Taugenichts von Eichendorff
Das Mþrchen von der Unke
Giftmischerin Adelbert von Chamisso
Mona Lisa Interpretation
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Publikationen Hans Holderegger
Das GlYck des verlorenen Kindes
Rezensionen Hans Holderegger
Inhaltsverzeichnis Buch 'Das GlYck des verlorenen Kindes'
'Der Umgang mit dem Trauma' Hans Holderegger
Rezensionen 'Der Umgang mit dem Trauma'
Inhalts-Verzeichnis 'Der Umgang mit dem Trauma'
Fachartikel Dr. Hans Holderegger
Dr. Hans Holderegger
märchen von der unke

Das Märchen gehört mit seiner Art des Erzählens in den Bereich der mythologischen Weltbetrachtung. Die Mythen sind, schreibt Norbert Bischof (1996, S. 77), "zu Bewußtsein gebrachte und damit der Auseinandersetzung erschlossene Grundmöglichkeiten der Selbst- und Welterfahrung", und ihre Darstellung zeugt davon, welchen Nachhall diese Erfahrung in der subjektiven Erlebniswelt gefunden hat. Mythen berichten von der Beziehung zwischen dem Menschen und einer Welt oder Lebenssphäre, die der bewußten Erinnerung nicht zugänglich ist. Und man findet in ihren Geschichten, z.B. auch in der "Unke", die Vorstellung, daß alles Irdische in einem symbiotisch-sympathetischen Urgeschehen gründe. Mythologisches Erzählen berichtet ursprünglich über einen angeblich verborgenen Urzusammenhang zwischen den Göttern und den Menschen, häufig aber auch - und das ist für unsere Thematik interessant - zwischen der Natur und dem Menschen.


"Es war einmal ein kleines Kind, dem gab seine Mutter jeden Nachmittag ein Schüssel-
chen mit Milch und Weckbrocken, und das Kind setzte sich damit hinaus in den Hof. Wenn es aber anfing zu essen, so kam die Hausunke aus einer Mauerritze hervorgekrochen, senkte ihr Köpfchen in die Milch und aß mit. Das Kind hatte seine Freude daran, und wenn es mit seinem Schüsselchen da saß und die Unke kam nicht gleich herbei, so rief es ihr zu:

,Unke, Unke, komm geschwind,
komm herbei, du kleines Ding,
sollst dein Bröckchen haben,
an der Milch dich laben.'

Da kam die Unke gelaufen und ließ es sich gut schmecken. Sie zeigte sich auch dankbar, denn sie brachte dem Kind aus ihrem heimlichen Schatz allerlei schöne Dinge, glänzende Steine, Perlen und goldene Spielsachen. Die Unke trank aber nur Milch und ließ die Brocken liegen. Da nahm das Kind einmal sein Löffelchen, schlug ihr damit sanft auf den Kopf und sagte: ,Ding, iss auch Brocken.' Die Mutter, die in der Küche stand, hörte, daß das Kind mit jemand sprach, und als sie sah, daß es mit seinem Löffelchen nach einer Unke schlug, so lief sie mit einem Scheit Holz heraus und tötete das gute Tier. Von der Zeit an ging eine Veränderung mit dem Kinde vor. Es war, solange die Unke mit ihm gegessen hatte, groß und stark geworden, jetzt aber verlor es seine schönen roten Backen und magerte ab. Nicht lange, so fing in der Nacht der Totenvogel an zu schreien, und das Rotkehlchen sammelte Zweiglein und Blätter zu einem Totenkranz, und bald hernach lag das Kind auf der Bahre." (Grimm J. und W., 1856/57, Bd. 2, S. 100)